[Link: YouTube Retroschnecke]
„Aber was hast Du denn erwartet?“
„Mehr eigenen Enthusiasmus, weniger Klapsenklischee und Pillenkeule! Ich hielt das für realistisch! Dass man Menschen aufhilft und diese das auch selbst wollen und mitmachen! Stattdessen scheinbar blinde medikamentöse Willensbrechung und die unverhohlene Verachtung für Psychotherapie! Da werden keine Neuanfänge produziert sondern Wracks, wie man den Patienten ansieht und den ehemals selbst betroffenen Ärzten nicht minder! Mir geht es jetzt nicht gut! Wie es mir dort nach zwei Wochen ginge…ob es mir ÜBERHAUPT noch irgendwie ginge…! – Das kann doch nicht an einer buntmalerischen Erwartung meinerseits gelegen haben!“
„Also stimmt das Vorurteil?“
„Es ist schlimm, doch…scheinbar schon!“
Warum man sich Kurkliniken ausnahmslos immer vor einer Zusage ansehen sollte, selbst wenn man quer durchs Land fahren muss!
Vorgespräch auf Wunsch in einer einladend prospektierten Rehabilitationseinrichtung besten Rufes im weit weggen Teil Deutschlands.
- Ich verbuche das als Nahtoderfahrung, denn es erklärt diesen Blick in die Hölle. Erwäge seit fünf Stunden Rückfahrt die Umbuchung in eine Klinik mit traumatherapeutischem Schwerpunkt, um das Gesehene und Erlebte zu verarbeiten. Hoffnungslosigkeit und Verzweiflung in, Entschuldigung!, gescheiterten Menschengesichtern und auf der Hausordnung „Bitte keine Selbstmorde im Haus! Pünktlich zum Frühstück erscheinen!“. Neuroleptikaschwangere Minderjährige kollabieren im malerischen Speisesaal, brüllende Psychotherapeutinnen ob nicht gegessenen Joghurts und selbstetikettiert „medikamentös experimentierfreudige“ Ärzte starren im Vorgespräch zwei Minuten ins Leere, während ihnen Speichel aus dem Mundwinkel fließt. Wachen auf. Lächeln. Und sagen: „Wir freuen Uns auf Sie!“
Ich habe auf der Heimfahrt in den Rückspiegel gesehen. Mehrmals.
„Ich wünschte, ich könnte zurückkommen und Alles wäre renoviert. Die sperrigen Möbel ausgetauscht und durch bequeme neue ersetzt. Die Menschen auch.“
„Ich esse gerade krosse Flusskrebsschwänze!“, hat sie gesagt.
Denke ich.
Ich habe mich verhört. Hoffe ich.