„Requiem für ein Dorfleben“ (Fragment)
Ich wohne hier nicht mehr und ich habe einen Schulabschluss: Ich bin über jeden Zweifel erhaben und das Argument für Hausaufgaben in den Nachbarhäusern. Ich bin der, der es geschafft hat.
Ich bin der, der von Weit Her angereist ist. Weit Her ist jene Stadt, die man nur von der Wetterkarte kennt. Sie liegt direkt neben Weit Weg, welches wiederum zu Berlin gehört. Und Berlin liegt auch so da bei München, rechts neben Ulm und Kairo. Alles ist bei Weit Her und Weit Weg irgendwo und man sieht es nicht einmal bei klarem Wetter, so weit ist das weg. Wer immer da her kommt, der hat’s geschafft.
Der hat einen Beruf mir vielen englischen Wörtern und ist wichtig, macht was mit Werbung oder Computer. Genau weiß es keiner, doch es ist wichtig und gut bezahlt. Eine gute Partie, ein guter Mensch ist er. Und selbst ist man ein bißchen stolz, dass man ihn kennt. Diesen Menschen, der immer schon ein bißchen nicht hergepasst hat. Und eines Tages ist er weggezogen, weiß man zu berichten. Weg, weit weg. Ganz plötzlich. Ein lieber Junge, aber so anders. War sogar auf dem Gymnasium. Ja ja, hat’s weit gebracht. Weit gebracht, weit weg. Weit weggebrachter Junge. Lieb, aber so anders.
(21.08.2007)
